Das Humanscale Design Studio hat sich der Herausforderung gestellt, drei verschiedene nachhaltige Ansätze für die Neugestaltung eines einfachen Hockers zu testen: Bionik, Kreislaufwirtschaft und Biofabrikation. Der Humanscale-Designer Paul Sukphisit arbeitete mit den Biofabrikationsexperten von Evocative zusammen, um einen Hocker aus Myzel, der Wurzelstruktur von Pilzen, zu entwerfen. Um die Form des Stuhls zu erzeugen, ließen sie Myzel zwischen Hanffasern wachsen, die dann zusammenhängende Blöcke bildeten. Mit der Zeit wächst das Myzel weiter und verbindet die Blöcke miteinander. Dieses Verfahren lässt sich auf die Herstellung nachhaltiger Stoffe, Schaumstoffe und vieles mehr ausweiten. Wir haben uns mit Paul Sukphisit zusammengesetzt, um mehr über seinen Ansatz der Biofabrikation zu erfahren und darüber, wie er auf Myzel als Material seiner Wahl kam. 

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Was war die wichtigste Lektion, die Sie aus der Herausforderung gelernt haben? Beim Entwurf eines neuen Produkts müssen die Konstrukteure die Massenproduktion, die Kosteneffizienz der Materialien und die Beschränkungen des Produktionsplans berücksichtigen. Das typische Herstellungsverfahren ist entweder Spritzguss, Guss oder maschinelles Formen. Die Arbeit an dem Myzelhocker-Projekt hat mich dazu angeregt, über natürliche Materialien nachzudenken und zu überlegen, wie man die natürlichen Wachstumseigenschaften als Vorteil für das Gesamtdesign nutzen kann.

Wie haben Sie sich für die Richtung entschieden, die Sie schließlich eingeschlagen haben? Wie viele andere Materialien und Verfahren hat auch das Myzel seine eigenen Grenzen und Vorteile. Es gibt eine Beschränkung der Dicke und der Größe. Zudem muss es in einer kontrollierten Umgebung wachsen. Die Designrichtung macht sich diese Eigenschaften zunutze, indem zunächst kleine Teile des Hockers hergestellt werden, um die Wachstumszeit und die strukturelle Integrität zu maximieren. Dann haben wir alle Teile unter Ausnutzung ihrer natürlichen Wachstumseigenschaften zum endgültigen Hocker zusammengefügt.

Hat die Herausforderung Ihren allgemeinen Designansatz verändert? Ja, das hat sie. Diese Herausforderung hat mir eine ganz neue Art des Denkens über Materialien eröffnet. Ich bin nun der Meinung, dass Materialien nicht nur synthetisch sein können, sondern auch natürlich. Wir müssen nur ihre Grenzen und Vorteile verstehen und das in den gedanklichen Designprozess einbeziehen.


Interessiert, mehr zu erfahren? Sehen Sie sich auch die beiden anderen Ansätze an, die Teil dieser Nachhaltigkeitsherausforderung waren: Kreislaufwirtschaft und Bionik.